Championnat d’Europe Veterans 02.-05.06.2011 in Hénin-Beaumont                                        08.06.2011

Etwa 1.100 Fechterinnen und Fechter trafen sich vergangene Woche im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, um in 4 Altersklassen die Europameister zu ermitteln.
Den weiten Weg traten auch 7 österreichische Teilnehmer an, allen voran unsere Dorli Tanzmeister, die – damit sich’s auszahlt – gleich in allen 3 Waffen startete.
Dementsprechend waren die Erwartungen, Platzierungen im oberen Mittelfeld im Degen und Florett sowie eine Platzierung unter den letzten 8 im Säbel waren die Zielsetzungen.

Damit zum sportlichen Geschehen:
Degen Damen AK1 3.6.2011
Mit 67 Teilnehmerinnen am stärksten besetzt - startete Dorli in einem 7er Pool in die Vorrunde.
Mit 3 Französinnen, 2 Deutschen und einer Italienerin standen die -zumindest von der Papierform her – stärksten Nationen Dorli gegenüber.
Glücklicherweise gab es aber bereits im ersten Gefecht gegen die stark eingeschätzte und in diesem Pool topgesetzte  Italienerin Iliana Bonato einen klaren 5:3-Erfolg – es folgten klare Siege gegen Heike Dithmar (GER; 5:0) sowie Marlyse Pacoud (FRA; 5:0). Etwas schwerer tat sich Dorli gegen die Französin Nathalie Beaume gegen die sie letztlich knapp mit 4:5 unterlag, doch weitere Siege gegen die spätere Silbermedaillengewinnerin Florence Duval (FRA;5:3) und die Deutsche Stefanie Reese (5:4) bedeuteten den guten 8.Rang für die Direktausscheidung.
Im Kampf um den Einzug unter die letzten 32 traf Dorli auf die starke Spanierin Santamaria, wo sie sich anfangs auch nicht leicht tat. Nach 3 Minuten stand es 4:4 – Verlängerung war angesagt – nach der Devise:“Und jetzt geht’s los!“. Und so war’s auch – im Eilverfahren stellte Dorli innerhalb der nächsten 1,5 Minuten ohne einen weiteren Gegentreffer zuzulassen auf den 10:4- Endstand!
Damit ging‘s bereits um den Einzug unter die letzten 16, wo Florence Godbille-Monesma wartete: nach rascher 5:1-Führung von Dorli konnte die Französin zwar noch einige Treffer aufholen, doch der 10:5-Sieg von Dorli war in keiner Phase des Gefechts gefährdet.
Aufgrund der Vorrunden-Platzierungen war damit ein Top-Ten Platz sicher – doch jetzt wollten wir mehr!
Doch gegen die andere der Bonato-Schwestern - Nereide – unterlag Dorli in einem harten und über weite Strecken ausgeglichenen Gefecht ebenfalls nach Verlängerung ganz knapp 9:10, was im Endklassement Rang 9 bedeutete. Im ersten Moment gab’s angesichts des knappen Resultats zwar etwas Frust – doch insgesamt muss man – auch wenn es hätte mehr werden können - mit einer Top-Ten-Platzierung bei einer EM doch mehr als zufrieden sein!

Ebenfalls in diesem Bewerb startete die einzige weitere österreichische Dame – die Salzburgerin Hildegard Strohmeyer. Nach der Vorrunde als 59. gewann sie gegen die als Nr.13 gesetzte Spanierin Rosamario Cano mit 10:8, musste sich aber im 32er Tableau gegen die Deutsche Katja Wunderlich -  ebenfalls äußerst knapp  - mit 10:9 geschlagen geben, was im Endklassement immerhin den guten 32. Platz bedeutete.

Degen-Gold in dieser Kategorie ging an Luisa Milanoli (ITA), Silber an Florence Duval (FRA), Bronze an Frauke Hohlbein und Cornelia Hoppe (beide GER)

Florett Damen AK1 4.6.2011
Mit nicht allzu hoch gesteckten Erwartungen (Originalzitat Dorli:“Gleich am Anfang rausfliegen will ich nicht“) ging es in den Florett-Bewerb. Durch das Fehlen einer Teilnehmerin aus Polen gab es kurzfristig noch eine HENIN_1Änderung in der Vorrunden-Auslosung, was aber kein Problem darstellen sollte: mit durchwegs klaren Siegen gegen Giulia Ruco (ITA; 5:3), Stephanie Chabert (FRA; 5:1), Agnes Schröder (GER;  5:2)und Lene Jensen (DEN; 5:2) war eigentlich ziemlich „aufgeräumt“. Lediglich gegen die Russin Olga Yanovich bedurfte es einer taktischen „Meisterleistung“ – 7 Sekunden vor Ablauf der 3 Minuten erhöhte die Russin auf 1:2 -  1 Sekunde vor Ablauf schlug Dorli zum 2:2 zu um den darauffolgenden Treffer zum entscheidenden 3:2 zu setzen!
Damit stand fest – mit 5 Siegen aus 5 Gefechten gibt es eine Top Platzierung für die Direktausscheidung – letztlich Platz 2!
Womit die Erwartungen wieder etwas stiegen – die Begegnung gegen die Deutsche Angelika Wiesmüller im 32er Tableau war mehr oder minder Formsache – der klare 10:3-Erfolg für Dorli bedeutete abermals eine Top10-Platzierung (wobei 9 schon sicher war)!
Im Einzug unter die letzten 8 kam es für Dorli zum Gefecht gegen die – in den bisherigen Beobachtungen deklarierten – „Angstgegnerin” Inessa Rodionova (spätere Bronze-Gewinnerin). Kurz vor Ablauf der ersten3 Minuten führte Dorli noch 5:4, eine hinterfragenswürdige Referee-Entscheidung ließ die Russin auf 5:5 herankommen, womit es in die Verlängerung ging. Leider konnte sich – auch dank der „moralischen Unterstützung“ von 7-8 russischen Delegationsmitgliedern in der Coaching-Zone  - in diesem Gefecht in Folge die Russin mit 10:7 durchsetzen, was für Dorli als – deja-vu - abermals den 9.Gesamtrang bedeutete.
Doch auch hier gilt wie vorher  - Top Ten sind eine Spitzenplatzierung!

Gold ging letztlich an die Französin Valerie Preaux-Jean, die allerdings als „Mätzchen-Königin“ in die Geschichte dieser EM eingehen wird: nach jedem ungültigen Treffer gab’s bei ihr eine „Verschnaufpause“ – sei es, dass die Weste nur mehr ungültig anzeigte, ein Strumpf hochzuziehen war oder auch ein Handschuh zum Tausch anstand!  In diesem „Nervenkrieg-Finale“ holte sich Stefanie Reese (GER) schließlich Silber, Bronze ging an Dorli- Bezwingerin Inessa Rodionova (RUS) und Silke Weltzien (GER).

Damen Säbel AK1 5.6.2011
Letzter Tag der EM – letzter Tag der Entscheidung! Erster Schock am Morgen – bei Dorli bahnen sich gesundheitliche Probleme an – ein erster Check: sollte für diesen Tag noch alles passen!
Dann nach einem kurzen Round-Trip durch Hénin- Beaumont (touristisch nicht wirklich interessant) langes Warten auf die Eintragung (offenbar fehlt wieder ein Teilnehmer) – letztlich startet man in einem 6er Pool mit 5 Teilnehmern (macht es auch nicht leichter)!
Nur – hier zeigte sich Dorlis wahre Stärke: der Säbel! Bereits in der Vorrunde war klar: gegen diese Technik und Dynamik werden es alle anderen eher schwer haben. Mit „lockeren „ 5:1-Siegen gegen Gunilla Graudins (GER), Wednesday Jones (GBR), Teresa Giordano (ITA), Pascale Appavoule (FRA) und die Britin Michele Nareys, die – entgegen der mittlerweile bestehenden Vorgabe - auch noch einen zweiten Gegentreffer landen konnte, war bereits in der Vorrunde klar, wo der Säbel „hängen“ würde!
Aufgrund der reduzierten Vorrunde startete Dorli mit Platzziffer 3 in die Direkte – was vielleicht gar nicht so schlecht war. Denn gegen die Französin Anne Legros gab es mit einem 10:0- Erfolg kein Problem. Damit waren wir im 16er Tableau.
Ein ebenfalls eher lockerer 10:2 Sieg gegen die nächste Französin Corinne Soler bedeutete zumindest den Einzug in die letzten 8 – damit war die bisher beste Platzierung übertroffen und das ursprüngliche Ziel eigentlich erreicht – die nächste Stufe war angesagt: wenigstens eine Medaille soll es werden!
Mittlerweile hatte sich nach den Ergebnissen in den anderen Waffen und der eklatanten Dominanz im Säbel schon eine kleine „Fan-Gemeinde“ entwickelt – die „Österreicher“ waren auf einmal spürbar keine „underdogs“ mehr
Und von da an lief es wie geschmiert – letzter Tag, letzte Chance – allerdings nicht für die Spanierin Angela deRioja – ein klarer 10:3 Sieg für Dorli bedeutete mindestens Bronze – Ziel erreicht!
Damit ging es nur mehr darum, welche Medaille wird’s? Nur – mit wenigstens einer Medaille in der Tasche lässt’s sich halt leichter fechten – Bronze wäre zwar schon ganz schön gewesen, doch da gibt’s halt noch ein Semifinale – bereits in der Haupthalle vor Publikum mit 10:5 gegen die Italienerin Maria Teresa Giordano eine klare Geschichte für Dorli!
Die Begeisterung war groß – Silber ist sicher!
Und das war auch der Finaleinzug! Die Gegnerin Beth Davidson (GBR) scheint eine lösbare Aufgabe – die Halle „kocht“ (es war immerhin der letzte Tag der Veranstaltung und immer noch ca.1000 Zuschauer in der Halle) – doch souverän wie in den Gefechten davor lässt Dorli mit 10:4 wirklich nichts anbrennen – wir sind Europameister!!!

Die abschließende Siegerehrung war – wie eigentlich alles bei dieser EM – vom Feinsten: spätestens als es hieß: „Medalle d’or et Champienne d’Europe – Dorothea Tanzmeister - Autriche“ war klar – diese Reise hat sich ausgezahlt

Weitere Österreicher in Hénin-Beaumont:
Neben unseren beiden Damen wagten natürlich auch noch einige Herren den Start bei dieser EM!
Das beste Herren-Ergebnis schaffte mit einem ausgezeichneten 5. Rang in der Kategorie III (22 Teilnehmer) der Säbel Routinier Gerhard Egger vom FK Spittal. Sein Klubkollege Josef Krammer belegte im Herren-Säbel AK IV unter 23 Teilnehmern den 17. Platz. Der dritte österreichische Säbel-Musketier Gerhard Ortner hatte es in der Kategorie I der jüngsten Senioren nicht leicht, denn da gab es das stärkste Starterfeld. Unter 76 Teilnehmern  errang der Wiener Neudorfer Platz 59.
Ebenfalls 76 Starter gab es im Herren-Florett, Kategorie II, in der der ehemalige Grazer Spitzenfechter Robert Blaschka (STLFC), der in den letzten Jahren auch als Senior tolle Erfolge feiern konnte, den guten 19. Platz belegte und im Herren-Florett Kategorie I erreichte Konstantin Brunner (UFC Wien) unter 91 Teilnehmern den 56. Platz.

[Alle Ergebnisse ...]
[Veranstaltungs-Webseite]
[Foto-Galerien auf www.ceve2011.ysygraphic.fr]
(Fotos von Dorli vor allem in der Rubrik Tag 4/Finales)

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